EINFÜHRUNG IN DIE AFFITOME® TECHNOLOGIE

Die AFFITOME® Technologie bedient sich der sogenannten molekularen Mimikry bezüglich nativen Antigenmolekülen. Bei herkömmlichen Impfstoffen werden native Antigene verwendet, die das Risiko mit sich bringen, Autoimmunität zu induzieren.

Die AFFITOME® Technologie ermöglicht:

  • das Vermeiden von zellulärer und humoraler Autoimmunität
  • Targeting von Neoepitopen (krankheitsspezifische Strukturen) 

Dies wird durch Anwendung von sogenannten AFFITOPEN® ermöglicht, kurze Peptide, die der nativen Sequenz zwar nicht entsprechen, aber sie in Sequenz oder Struktur des Neoepitops nachahmen. AFFITOPE® werden durch einen Selektions-Antikörper („Auswahl-Antikörper“) identifiziert. Die Eigenschaften dieses Antikörpers werden auf die durch das jeweilige AFFITOPE® initiierte humorale Immunantwort übertragen.

Zu diesem Zweck wird ein Pool von unterschiedlichen Peptiden einer vordefinierten Länge geprüft, ob sie an den Auswahl-Antikörper binden. Gebundene Peptide besitzen spezifische Eigenschaften, die durch die Interaktion mit den Auswahlkörpern eingeprägt wurde. Diese Peptide stellen AFFITOPE®-Kandidaten dar, die nach einer Immunisierung die eingeprägten Eigenschaften auf erzeugte Antikörper übertragen können. Die Kandidaten werden nur dann zu richtigen AFFITOPEN®, wenn sie immunogen sind, die Eigenschaften des Auswahl-Antikörpers übertragen können und in „Proof-of-concept“-(Machbarkeits-)Studien Erfolge zeigen.

Die Anwendung der AFFITOME® Technologie bei SYMPATH

AFFIRIS hat im Rahmen eines prä-klinischen Screening-Programmes eine Reihe von α-Syn Impfstoffkandidaten identifiziert. Zwei davon, PD01A und PD03A, wurden für eine weitere klinische Entwicklung ausgewählt, da sie eine hohe Spezifität der von ihnen induzierten Immunantwort besaßen, vielversprechende Ergebnisse von Machbarkeitsstudien in verschiedenen Modellen vorlagen und ein vorteilhaftes Sicherheitsprofil bei standardmäßigen Toxizitätsstudien erreicht wurde. Ein umfangreicher Datensatz bestätigt die Wirksamkeit der Impfstofffamilie gegen α-Syn in präklinischen Modellen der Krankheit. PD01A und PD03A sind derzeit die am weitesten fortgeschrittenen Mitglieder dieser Familie.

Während beide Kandidaten die oben erwähnten Kriterien erfüllen, unterscheiden sie sich in ihren physikalisch-chemischen Eigenschaften (Aminosäuresequenz, Länge), ihrer immunologischen Spezifität und ihrer Effizienz in verschiedenen Modellsystemen. PD01A wurde als erstes auf α-Syn-ausgerichtetetes immuntherapeutisches Medikament, das überhaupt in Menschen getestet wurde, Anfang 2012 in die Phase der klinischen Entwicklung überführt. Es ist der erste α-Syn Impstoffkandidat, der im Menschen getestet wurde und verkörpert dadurch eine neue Medikamentenklasse.

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Im Rahmen von SYMPATH wird das Konsortium wirksam und effizient zusammenarbeiten, um die frühe klinische Entwicklung von PD01A und PD03A bei zwei Indikationen voranzubringen. Sowohl bei der Parkinson-Krankheit als auch bei multipler Systematrophie ist ein dringender Bedarf für eine ursächliche Therapie gegeben.


Für weiterführende Informationen über die AFFITOME® Technologie, siehe:

  • Schneeberger et al. AFFITOME® Technology in neurodegenerative diseases. The doubling advantage. Human Vaccines 6:11 948-952. 2010.
    PubMed abstract

  • Schneeberger et al. Development of AFFITOPE vaccines for Alzheimer´s disease. From concept to clinical testing. J Nutr Health Aging. 13:264-7. 2009.
    PubMed abstract
  • Mandler et al. Next‑generation active immunization approach for synucleinopathies: implications for Parkinson’s disease clinical trials. Acta Neuropathol  DOI 10.1007/s00401-014-1256-4. 2014.
    PubMed abstract